Reisebericht: Vilnius, Litauen – keine leichte Kost

Eine Winterreise Teil 1 | Idee & Planung

„Und warum nicht mal ins Kalte?“ – diese Frage war der Stein des Anstoßes für eine ganz besondere Reise, deren buchstäbliche Auf und Abs ich so schnell nicht vergessen werde…

Februar, 14 Tage Zeit und die große Frage: „Wohin geht es diesmal?“ Für gewöhnlich zieht es mich ans Meer und in warme Länder  vor allem dann, wenn in Berlin gerade Minusgrade herrschen. Diesmal sollte es anders sein. Etwas ratlos saß ich mit C. vor Google Maps und wir stellten fest, dass die Welt einfach zu klein ist – bzw. unser Budget. Traumziele wie Australien, Karibik & Co. waren also erstmal gestrichen. „Und warum nicht mal ins Kalte?“, fragte mein Freund. Die Idee für einen winterlichen Städtetrip war geboren.

Litauen, Lettland und Estland waren für mich bis dato große Unbekannte. Neugierig machte ich mich also an die Planung und wenig später stand die Reiseroute: die Hauptstädte der drei baltischen Staaten von Süden nach Norden mit Bus & Bahn bereisen, mit der Fähre von Tallinn nach Helsinki und am Ende von Helsinki mit einer Übernachtung auf einer Fähre nach Stockholm. Fünf Städte in zwei Wochen.

Die nächsten To-Dos lauteten: Flüge buchen, Zug-, Bus- und Fährfahrpläne studieren, Wintermantel kaufen – denn in Litauens Hauptstadt Vilnius liegen auch die maximalen Gradzahlen im Februar noch unter dem Gefrierpunkt. Mit Ryanair kommt man in anderthalb Stunden für Preise, ähnlich tief den örtlichen Temperaturen, nonstop von Berlin-Schönefeld nach Vilnius. Für die erste Station unserer Reise entschieden wir uns für das beschauliche City Gate Hotel *** am Tor der Morgenröte, direkt vor der barocken Altstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. 

Vilnius Pelzmäntel, Kirchen & Zappa

Begrüßt wurden wir am 11. Februar 2017 leider von dicker grauer Tunke, statt von einem glitzernen Winter-Wonderland, wie ich es mir ausgemalt hatte. Nichtsdestrotz machten wir uns auf, der Stadt bei Minusgraden im einstelligen Bereich eine faire Chance zu geben. Die Altstadt von Vilnius ist klein und locker an einem Vormittag abgelaufen, aber wirklich sehenswert. Auffällig: Auf engstem Raum findet man hier eine enorm hohe Dichte an wunderschönen katholischen & russisch-orthodoxen Kirchen  und Frauen in echten Pelzmänteln. Außerdem sehenswert sind die Universität von Vilnius, das Königsschloss mit Museum und der Gendiminas-Prospekt zum Shoppen.

Und dann gibt es da noch, etwas abseits des Zentrums, ein Denkmal für den US-amerikanischen Musiker Frank Zappa. Die Verbindung zur Stadt ist klar: Es gibt keine. Zappa war nie in Vilnius, aber er scheint dort eine große Fan-Community zu haben, die sich für das Errichten einer Büste stark machte. Angeblich stand hier zuvor eine Statue aus der Sowjet-Zeit. Mit der Unabhängigkeit Litauens wurde es Zeit für etwas Neues, Zeit für etwas Rebellisches  Zeit für Zappa. Weder das Denkmal noch die Gegend in der es steht sind sonderlich ansehnlich. Aber gerade das und die Graffiti drum herum machen den Charme aus. Für mich hat sich der kleine Umweg gelohnt.

Heiß & fettig | Mit Litauischer Küche ins Fresskoma

Das eigentliche Highlight dieses Besuchs war für mich aber ein anderes  nämlich das Essen. Am ersten Abend kehrten wir ins Forto Dvaras ein. In einem verwinkelt Kellergewölbe wurden wir platziert und bei der Bestellung wurde uns von der freundlichen Bedienung geraten, erstmal nur die Hälfte von dem zu nehmen, was wir bestellen wollten. Sie sollte Recht behalten. Die Portionen waren riesig, die Preise waren es nicht. Es gab kalte Rote-Beete-Suppe mit Kartoffeln, deftige „Zeppeline“ (Kartoffelklöße gefüllt mit Hackfleisch & Sauerrahm), Sauerkrautsuppe mit Schweinerippchen und Piroggen. Dazu heißen Sanddorntee und Bier. Mein Gaumen war schockverliebt und mein Magen – gewöhnt an großstädtisches Superfood – herausgefordert angesichts dieses deftigen Mahls. Nach dem Fressfest, was für zwei Personen etwa 25 € inklusive Trinkgeld gekostet hat, schleppten wir uns zurück ins Hotel und sagten uns immer wieder: „Ich werde nie wieder so viel essen“. Am nächsten Tag fanden wir uns zum Mittag erneut im Forto Dvaras ein.

Nach zwei Tagen Vilnius ging es für uns weiter in die lettische Hauptstadt Riga. Was wir dort erlebt haben, erfahrt ihr bald hier in meinem nächsten Reisebericht.

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2 Gedanken zu “Reisebericht: Vilnius, Litauen – keine leichte Kost

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